Cannes Lions, 3 Tage
Ein Wettbewerb schlägt den nächsten, das junge kreative Frischfleisch prügelt sich in 24+3 Stunden Ideen aus dem Kopf. Headhunter sind allgegenwärtig und versuchen das kreative Potential durch Partys und tolle Aussichten auf ihre Seite zu lotsen.

Wichtigstes Ding im Moment.

Wichtigstes Ding im Moment.
Samstag, 19. Juni 2010
10:00 Uhr Mit unheimlicher Schnelligkeit wird man in eine Industrie-Systematik aus tausenden Grafik-Designern, Copy-Writern, Webdesignern, iPhones, Konzeptionisten und Yacht-Besitzern integriert – ohne sich vorher bewusst gemacht zu haben was sich in den nächsten 5 Tagen abspielen wird.
Kreatives Potential liegt hier sowohl wie Geld auf der Straße, direkt neben gestrandeten übergebliebenen Einsiedlern aus London – die das Filmfestival in Cannes vor wenigen Monaten einfach ausgespuckt hat. Sogar diese können es nicht lassen über ihr ehemaliges JetSet Leben zu sprechen. Der relativ günstige Alkohol hat sie dann doch in Cannes bleiben lassen. So entsteht ein arger Kontrast, den diese Stadt anscheinend nötig hat um sich nicht ganz in die Tiefen des übertriebenen Reichtums zu verirren.

Festival Zentrum in Cannes
15:30 Uhr Wie es sich für ein Monopol Unternehmen im grafischen Bereich gehört, hat sich Adobe mit einer Keynote vor das Briefing für die Print-Competition gedrängt und gab die Vorzüge der neuen CS5 bekannt. Nach dieser Keynote hat man das Gefühl nichts mehr falsch machen zu können und dank 3D Tool und Eeasy-Freistell-Werkzeug alle Waffen bekommen zu haben um eine 24+3 Stunden lange Hirn- und Gestaltungsschlacht zu führen.
17:00 Uhr Mit den Worten “Everyone of you is a winner!” begrüßte uns und zirka 30 andere Nationen der CEO vom Cannes Lions Festival Philip Thomas. Er machte bzw. versuchte allen klar zu machen “You are special, you are the best young-creatives all over the world. You are the elite!”. Das hat jeder klipp und klar verstanden, ebenso die Worte “Calling your Creative Director or someone else in your agency, will cost your head!”. Ernst war es, ja sehr ernst und zusätzlich bedrohlich von der Industrie geschluckt werden zu können.
17:05 Uhr Das Briefing war interessant, es war spannend, es hatte viel Potential, eine menge Ideen sprudelten in die Köpfe der “Elite” und man merkte wie alle nur mehr loslegen wollten. Auch uns ging es so. Thema war Plan-UK, eine NGO die Patenschaften mit Kindern aus der dritten Welt ermöglicht und man um 15 Pfund monatlich Brieffreundschaften schließen kann. Konkret: Macht den Menschen bewusst, dass es Plan-UK gibt und es um 15 Pfund eine Patenschaft mit einem Kind aus der dritten Welt gibt. Das alles über www.plan-uk.org.
24+3 Stunden sind angelaufen ebenso unsere Hirnmuskeln und Blöcke finden sich vor einer nicht einfachen und unheimlich vielfältigen Aufgabe wieder.Bis 2 Uhr in er Nacht wird gedacht und gescribbelt was das Zeug hält.

Brainstorming mit Sonnenuntergang
Sonntag, 20. Juni 2010
08:00 Uhr Die Pforten zum klimatisierten unterirdischen Raum mit zirka 30 Kabinen öffnet sich für alle Nationen und Sichheitspersonal kontrolliert fleißig die Ausweise. Jede Kabine verfügt über einen iMac der neusten Generation, ein gut konfiguriertes Wacom Tablet und zwei Barhocker die sich zu Beginn als ungemütlich präsentierten, aber mit der Zeit zum besten Freund des eigenen Sitzfleischs wurden.
13:00 Uhr Dass es auch bei einem so kurzen und intensiven Kreativ-Prozess nicht die Idee und das Scribble des Anfangs wird, hat sich gegen 13 Uhr herauskristallisiert. Sitzt man bei EN GARDE im Büro ist das auch kein Problem, denn es ist “meistens” genug Zeit da um sich neu zu orientieren und eben eine andere Stilistik zu entwickeln.
Zeit hatten wir in Relation noch viel übrig, immerhin 7 Stunden um “neu” zu beginnen. Also weg die Erste her die Zweite. Gescribble und getexte bis der Daumen glüht und der Ellenbogen sich am kantigen Tresen rau geschruppt hat.

Verena bei der Arbeit. Abwechselnde Bildschirm-Bräune.
18:30 Uhr Der erste Proof der Arbeit dauerte, da so ziemlich alle zu selben Zeit die Idee hatten einen von 3 Ausdrucken zu machen, eine Stunde. Das kann lange sein und so unterhält man sich plötzlich mit masturbierenden Hirnen aus verschiedensten Nationen wie Indien, Korea, Peru, … .
Niemand macht Druck und keiner sieht Neid oder sonstige gewohnte Bilder aus der heimischen Kreativwirtschaft. Hier ging es jedem ganz klar und strikt um die Sache etwas zu machen und nicht darum zu gewinnen – sondern ein gutes Gefühl dabei zu haben Teil der sogenannten “Elite” zu sein.
Die Proofs wurden von einem ständig gestressten und unglaublich liebeswürdigen Franzosen überbracht und es wurde klar, dass mit ein paar kleinen Justierungen die Sache abgeschlossen ist und wir uns gerecht einem kühlen Blonden hingeben kann.
Montag, 21. Juni 2010
10:00 Uhr Das junge Potential hat in der Pole-Position Platz genommen um mit richtig viel Glück bei den TOP 3 Arbeiten dabei zu sein. Eine Jury wählte in 30 Minuten aus rund 30 Sujets. Wenig Zeit mag man denken, doch da sich die Jury die letzten zwei Wochen durch rund 22.000 Einreichungen gewühlt hat um daraus die 13 Shortlists zu machen, kann man viel Verständnis für kurze Begutachtung entgegenbringen.

Bekanntgabe der Gewinner
10:30 Uhr Eine Horde an Journalisten und sehr gelassene Young Lions warten auf die Verkündung von Bronze, Silber und Gold.
Mit einem Schwall an Bewegung drehte sich Alles in eine Richtung und der Jury Vorsitzende Mark Tutssel (CEO, Leo Burnett Worldwide) verkündete die drei Gewinner.
Gold: Peru (Omar Rodomiro Sotomayor Noel, Gastón Angelo Soto Denegri)
Silber: Kolumbien (Carlos Andrés Rodriguez Monroy, Sergio Léon Novoa)
Bronze: Dänemark (Nicolas Thomsen, Christian Hansen)
Besonders gefreut hat uns, dass Südamerika richtig abgeräumt hat und mit einem absolut simplen Zugang ein komplexes Thema perfekt reduziert inszeniert hat. Congratulation!!!

The war of junior creatives?
13:00 Uhr Nun geht es los mit Keynotes mit Zuckerberg, Ben Stiller (?) und Co. Soeben halten die Dutch Young Creatives einen Vortrag über “The war of junior creatives.”, begonnen mit den Worten: “Your best friend, will be your hardest enemy!”. Keine Angst, solchen Bullshit lassen wir in Cannes.
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Tags: Cannes Lions, Festival, Preise, Wettbewerbe, Young Lions
